Aktuelles 1718-50 - Gymnasium "Friedrich Schiller" Bleicherode

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Kunst und Kultur mit Klasse(n)

„Befehle nicht wo dir die Macht gebricht.“

Dieses Zitat Antigones paraphrasiert das Thema der Inszenierung, die am Friedrich-Schiller- Gymnasium Bleicherode dargeboten wurde. Die Schulaula wandelte sich zum Schauplatz einer 2500 Jahre alten Tragödie, wobei die Schüler der zehnten bis zwölften Klassen von den Darstellern Susanne Hocke und Jürgen Larys des „artENSEMBLE THEATERs Bochum“ in das antike Theben entführt wurden. Das Stück stellte seinem Auditorium die Frage:
Was soll uns bestimmen? Pflicht oder Gesetz?
Es wurde vorgeführt, wie sich die Protagonistin Antigone dem Bestattungsverbot des Königs Kreon widersetzt. Nach dem Leitsatz „Fromm handelt, wer die Toten ehrt.“ setzt sie ihren als Verräter diffamierten Bruder Polyneikis bei, um den Geboten der Götter gerecht zu werden und wird zum Tode verurteilt.
Das Stück mit je zwei konträren männlichen und weiblichen Rollen wurde von dem erfahrenen Künstler-Duo zu zweit gespielt. Im Vorfeld erschien mir diese sporadische Art der Umsetzung grotesk, als ich jedoch sah, wie Susanne Hocke die mutige, fromme Antigone mit der ängstlichen Schwester Ismene in einen Dialog treten ließ, war ich positiv überrascht. Auch Jürgen Larys differenzierte bei seiner Bühnenpräsens in den unerbittlichen Kreon und seinen reflektierenden Sohn Haimon. Das gesamte Schauspiel kam ohne Kostümwechsel oder Umschaltpausen aus. So wurde die innere Zerrissenheit der Charaktere verdeutlicht und die Zuschauer, die als Volk Thebens angesprochen wurden, aufgefordert eine Seite zu wählen.
Anfangs bereitete mir der ständige Rollenwechsel noch Probleme, jedoch gelang es mir mit verstreichender Spielzeit immer deutlicher zwischen den Charakteren zu unterscheiden. Diese Tatsache ist der herausragenden Kompetenz der Darsteller zuzuschreiben, die durch ihr Gesten- und Mienenspiel die jeweiligen Standpunkte und Emotionen ihrer Rollen ausdrückten. Besonders heraus stach dabei Susanne Hocke, welche mit Hilfe von stimmig eingesetzten Tränen und ihren verkrampften Posen die missliche Lage Antigones vermittelte.
Die gesamte Inszenierung verzichtete auf ablenkende Kostüme, Bühnenbilder und Requisiten, was den Fokus der Zuschauer auf die Darbietung zog. Lediglich ein Gong, aufgehängt vor einer schwarzen Wand und durch mehrere Scheinwerfer in ein rötliches Licht getaucht, vermittelte eine bedrohliche Stimmung. Das Nachhallen des unüblichen Instruments erzeugte in mir ein Gefühl der Tiefe und die gelungenen Gesangsparts, dargeboten von Larys, rundeten das Stück ab.
Wünschenswert wäre eine an das Stück anschließende Debatte gewesen, in der die Schauspieler näher auf das Zustandekommen der gewählten Art der Inszenierung hätten eingehen können.
Mein Resümee lautet: Wir durften eine gelungene Darbietung erleben, die dazu prädestiniert war, die Schüler der Oberstufe in den Kosmos des Theaters einzuführen und deren Horizont zu erweitern. Das Stück Antigone war ein Gewinn für das Gymnasium und eine willkommene Abwechslung zum Ferienbeginn.

Lena Theresa Schütze, 12b
 
 
 
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