Aktuelles 1718 06 - Gymnasium "Friedrich Schiller" Bleicherode

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Die Eisenbahnmagistrale der Zukunft von Rotterdam nach Genua –
eine entscheidende Lösung für die Entlastung des Straßenverkehrs auf der europäischen Nord-Süd-Route

Es ist die Zeit der Ablieferung von Seminarfacharbeiten an den Thüringer Gymnasien. Mit ihnen stellen künftige Abiturienten ihre Fähigkeit unter Beweis, wissenschaftliches Denken und Arbeiten mit gründlicher Recherche zu verbinden. Ein hoch interessantes – und wie es sich am Ende erwies – sogar brisantes Thema hatten sich Annalena, Lena und Ludwig vom Schiller-Gymnasium in Bleicherode ausgewählt. Weil sie spannend fanden, wie Menschen im Laufe der Geschichte auf dem Weg in den Süden Europas die Alpen überquerten und sie schließlich mit Tunneln durchbohrten, stießen die Schüler auf das Projekt Europäischer Korridor 24. Dieses stellt für die nächsten Jahrzehnte Verkehrslösungen auf der Schiene in den Vordergrund, die den Norden und den Süden unseres Kontinents noch stärker vernetzen. Das Reisen mit der Bahn geht immer schneller und der Güterverkehr auf der Schiene wird gegenüber der Straße viel lukrativer. Von Rotterdam bis Genua soll das ein in der Regel vierspuriger Gleistrail ermöglichen, an dem bereits jetzt emsig gebaut wird - der Korridor 24. Alle Planungen und bereits realisierte Vorhaben haben das große Ziel, den internationalen Straßenverkehr auf dieser Route deutlich zu entlasten und somit auch die Lebensqualität in den Ballungszentren entlang dieser Magistrale zu erhöhen. Die Seminarfacharbeit beleuchtet das Verkehrsprojekt insgesamt, gibt aber auch spannende Einblicke in technische Höchstleistungen wie den Bau des Gotthard-Basistunnels in der Schweiz. Das Nadelöhr der Eisenbahnverbindung auf deutschem Boden ist die 182 Kilometer lange Verbindung zwischen Karlsruhe und Basel – die Rheintalbahn. Um hier den Schienenverkehr zu be-, das Leben an der Strecke aber zu entschleunigen, wird in Rastatt ein über vier Kilometer langer Tunnel mit zwei Röhren gebaut. Von einer neuen, doch bereits bewährten Technologie beim Tunnelvortrieb konnten sich die Gymnasiasten vor Ort überzeugen. In schwieriger Geologie wird der Tunnel gebohrt und sofort mit Tübbingen ausgebaut. Das sind vorgefertigte Betonelemente, von denen jeweils sieben von der Tunnelvortriebsmaschine zu einem zwei Meter breiten und im Durchmesser zehn Meter großen Ring zusammengesetzt werden. Am positionierten und mit der fertigen Tunnelröhre fest verbundenen Tübbingring drückt sich das Bohrschild ab und frisst sich jetzt die nächsten zwei Meter durch das Sedimentgestein. Die Exkursion nach Rastatt hat Annalena, Lena und Ludwig angeregt, die Tunnelbaustelle in einem teils funktionsfähigen Modell nachzugestalten. Das nun vollendete Teil ist eine technische Augenweide. Wenn es heißt, dass der Erfolg viele Väter hat, trifft es hier im wahrsten Sinne des Wortes zu, denn die Väter der drei Schüler hatten sich beim Modellbau kräftig mit eingebracht. Was beim Start zur Seminarfacharbeit keiner von den Beteiligten für möglich gehalten hatte, trat ein - der Rastatter Tunnel rückte mit einer Negativ-Schlagzeile ins Licht der deutschen und internationalen Öffentlichkeit: Am 12. August dieses Jahres senkten sich die Gleise der Rheintalbahn über der Tunnelbaustelle. Etwas war mit dem auf diesem Abschnitt bereits fertigen Tunnel passiert. Der Gau blockierte die wichtige internationale Nord-Süd-Verbindung der Eisenbahn auf Wochen. Pro Tag fielen 200 Güterzüge aus. Natürlich mussten diese aktuellen Ereignisse in die Seminarfacharbeit aufgenommen werden. Auch den Schülern glitt eine Last vom Herzen, als bekannt wurde, dass seit dem 2. Oktober die Züge auf der havarierten Strecke wieder rollen. Sie sind überzeugt davon, dass das Tunnelprojekt zu einem glücklichen Ende geführt und seiner Aufgabe im Europäischen Korridor 24 gerecht werden wird. Ihr Modell wollen sie der Firma Herrenknecht, die die Tunnelvortriebs-maschinen baute, für den Einsatz in Info-Centern anbieten. Es wäre eine Auszeichnung für Annalena, Lena und Ludwig, wenn es angenommen werden würde.

Wolfgang Scholvien
Am Berge 2
99759 Großlohra
(Seminarfachgruppen-Betreuer)
 
 
 
 
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